Ich bin überwältigt

Mit Spaß mokiert sich Flo über ne Geige:
sie speit und unkt wie eine Wundertüte.
Ihr Stil zeigt weder Stil noch eine Blüte.
Sag, hofft sie drauf, dass ich ihr Eindruck zeige?

Dann schweigt sie lang und zeigt kurz Widerwille,
fast wie ein Fleischwolf knapp nach Einkaufsende.
Es schleicht die Ruhe quälend durch die Wände.
Sag, hofft sie drauf, ich breche diese Stille?

Ich weiß, sie will sich selber imponieren,
den krausen Geist mit Duschgel schamponieren
und mehr als nur Pygmalion verführen.

Flos Ausdrucksmangel glänzt im Alltagsgrauen.
So, hoff ich drauf, ich könnt das Spiel durchschauen
und schließlich Flo zur Galathé erküren.

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Ein Liebeslied

Es stimmt, dass ich die Weise gerne höre,
doch Flo ist davon mehr als nur gefangen,
denn sie hört „Danny Boy“ mit feuchten Wangen
und möcht‘ nun, dass ich ewig Treue schwöre.

Der Wunsch lässt mich im Innersten erbleichen:
kann Spaß auf Dauer eine Bremse lieben?
Es wär ja schön, wenn wir zusammen blieben,
mir würd bereits bis nächsten Samstag reichen.

Natürlich sag ich Flo nicht, was ich denke.
Ich tricks mich durch, indem ich Wein nachschenke.
Kein Narr spie Wasser auf solch‘ Zuckerwatte.

Nun schwärmt sie noch, wie alle mich beneiden
und falls sie sterbe, würd‘ man mich beleiden. –
Ich glaub‘, ich wechsle lieber mal die Platte.

Werteerhaltung

Bei YouTube sah Flo eine Doku laufen,
die zeigt, dass wir die Backkultur verlieren:
Man sah wie Firmen Brötchen emulgieren.
Jetzt soll ich Brot beim echten Bäcker kaufen.

Drum streif ich sonntags früh durch die Quartiere
und such verzweifelt frischgeback’ne Ware,
derweil ich ganz viel Sprit und mich verfahre
und langsam meinen Öko-Mut verliere.

Das Handy surrt und Flo fragt, wo ich bleibe,
was ich den ganzen Morgen lang schon treibe?
Ich eil Vergang’nem hinterher und fluche.

Zum Trost geh ich zum Laden an der Ecke
und kaufe eine aufgeback’ne Wecke. –
Soviel zur Frischbrotbäckerladensuche.

Unterwegs mit Untersetzung

1. Reisetag

Flo sitzt bei mir und schaut meist gradeaus.
Besingt man so die große Sommerliebe?
Flo schweigt. – Ein kleiner Stau wird zum Geschiebe,
verzögert unser Ferienreißaus.

Entsteht derart des Lebens beste Zeit?
Flo sagt, es plage Arbeitsstressmigräne;
mir Krokodil entweicht kurz eine Träne.
Der Rastplatz gähnt nur leer und weit und breit.

Wir jammern dann zur psychischen Tortur,
ein Tag reicht nicht als ausreichende Kur.
Wir fahren Kreisel und wir fahren Kreise.

Es blitzt! – So grüßt der Bußgeldkatalog;
im Urlaub gibt’s kein Sonderangebot.
Nun haben wir ein Bild von unsrer Reise.

2. Reisetag (Mittag)

Wenn ich mich cool und ganz gelassen geb‘,
krieg ich geschimpft, ich soll mich konzentrieren;
soll vorwärts schauen; bloß nicht meditieren,
es gehe nicht, dass ich so arglos leb‘.

Geb ich mich angespannt und gar nervös,
krieg ich geschimpft, ich solle mehr genießen;
soll atmen; schauen, wie die Blumen sprießen,
sonst Ende es mit mir schon demnächst bös.

Wir hocken fest und sind nicht recht in Fahrt.
Da kommt ein Typ mit einer Air-France-Card
und bittet uns, die Welt nicht zu verschandeln.

So bleibt die Stimmung wie der Offroad-Trip:
Ich hoff, dass ich nicht in den Graben kipp.
Auch heute bringt’s nichts, bei Flo anzubandeln.

2. Reisetag (Abend)

Wir treten erst mal kurz die Füße breit,
dank Smartwatch wird jetzt jeder Schritt gemessen.
Flo schnippelt Zeugs fürs nahe Abendessen.
Die Aussicht zeigt den Lac Ponçon von weit.

Jetzt sitz ich stumpf im Stuhl knapp neben ihr,
dabei wär ich so gern vor ihr benommen.
Das Urlaubsziel war endlich wegzukommen,
doch bleiben wir wie stets im Jetzt und Hier.

Zu Duschen fehlt mir noch als Abendbrauch.
Ich seif mich ein – da platzt der spröde Schlauch.
Ich fürcht, ich werde alles noch versauen.

Zuhause gäbs das Zigarettenglück:
ich würd sie holen und käm nicht zurück.
Doch auf der Flucht, da kann man nicht abhauen!

3. Reisetag

Ein Hund begrüßt uns voll Elan und wild,
denn heute campen wir auf seinen Knochen.
Am Abend gehn wir essen statt zu kochen.
Die Sonne wärmt – ein Lüftchen bläst ganz mild.

Doch in der Nacht verdüstert sich die Welt:
es blitzt und donnert plötzlich um die Wette.
Im Sturme rett ich eine Lichterkette
und fühle mich gleich wie ein großer Held.

Flo schläft verträumt und atmet unerschreckt;
merkt nicht mal, wie bei ihr das Zeltdach leckt.
Mir dämmert: morgen spürt sie Morgenfeuchte.

Im Jetzt bleibt Ruhm und Ehre mir versagt
– nicht jeder wird gelobt, der etwas wagt –
doch wärmt mich, dass ich innerlich erleuchte.

4. Reisetag

Am Col d’Ancoccia gibt’s nicht nur Natur:
Das Einsamsein muss man sich manchmal teilen.
Ein altes Fort verleitet zum Verweilen,
nur hinterlässt hier jeder seine Spur.

Und doch, zuhaus, da wär es auch ganz nett:
Am Sitzplatz! Oder nackt beim Haare-Föhnen.
Für FKK müsst man mich heut entlöhnen,
ich frier doch schon in einem warmen Bett.

Wie kämen wir vom Strandurlaub zurück?
Ein Citytrip? Brächt eine Wallfahrt Glück?
So sag, gibt’s Umweltschutz beim Welt erkunden?

Flo schläft jetzt sitzend. («Da der Rücken spannt.»)
Ich hätt es eher fluchtbereit genannt.
Die Nacht geht heute wieder knapp neun Stunden.

5. Reisetag

Es knallt, denn Flo schlägt eine Mücke tot
und die saß hier, auf meiner linken Wange.
Und Flo schlug so, dass ich des Lebens bange –
zumindest fast. Ein Abdruck prangt in rot.

Ich hab gehofft, dass Flo mich mal berührt,
denn neulich macht sie sowas eher selten.
Auch wir sind wie aus zwei entfernten Welten.
Doch nun scheint mir: ich habe sie gespürt.

Die Gegenwart verdreht so ihren Lauf,
da drängt als Klimax sich die Frage auf:
soll ich Flo lieben oder soll ich passen?

Die Würfel liegen offen auf dem Tisch.
Nur – darauf gibt mir Flo ’nen Kniffel-Wisch:
ich soll beim Spiel die Hose runterlassen.

6. Reisetag (Heimreise)

Die Hauseinfahrt begrüßt uns so wie stets,
und auch die kalte Brise, die hier luftet.
Der Rücken schmerzt und alle Wäsche duftet.
Der Parkplatz ruft von weitem schon: «Wie geht’s?»

Nun fragt sich, ist die Reise denn geglückt?
Ist irgendetwas von der Fahrt geblieben?
Sag, haben wir die Glut in uns vertrieben
und sind nun aneinander ganz entrückt?

Im Postfach liegt ein Ferienprospekt
und wirbt für Urlaub, der die Geister weckt.
Ich frag mich, ob ’s mich alsbald dorthin triebe.

Flo sitzt im Bad und schaut meist gradeaus
und ich pack zwischendurch die Taschen aus.
Besingt man so die große Sommerliebe?

Selbstportrait

Wem gilt wohl dieser dicke, heiße Schmatzer,
den Du so lüstern auf die Leinwand presst
und mich vor Eifersucht erschauern lässt?
War das ein jugend-frischer, frecher Patzer?  

Sag schreist Du da nach unerfüllter Liebe?
Ein Hauch des Märchenprinzen wär Dein Ziel,
gepaart mit süßer Hoffnung auf ein Spiel?
Ein Traum ist alles was Dir davon bliebe.  

Du stehst in Wohllust, bist im Herz am Blühen,
die Wangen scheinen förmlich Dir zu glühen
mit diesem artig zugeknöpften Kleid.  

Das lässt mich Alter Sack zutiefst entzücken,
doch besser wärs, ich würde mich verdrücken:
Ich platze Deiner Angesichts vor Neid!

Tagebucheintrag, 25. Dez.

Bei uns im alten Hinterhaus,
da wohnen erst seit kurzem Leut´:
Er schleppt Pakete bei der Post
und sie hockt arbeitslos daheim.

Nun! Gestern warf die gute Frau:
bis zwölf erklang ihr Weh und Schrein.
Ihr Mann nun voller Vaterglück,
doch schau, das Kind ist gar nicht sein.

Zum Feiern kamen seine Kumpel.
Das Treppenhaus war hell erleuchtet.
Ein Bringdienst hört ich nachts um drei:
«Da heute Kind gibts Pizza frei.»

Um acht kam schließlich die Hebamme
zusammen mit der Kinderärztin,
die Stütze-Frau war wohl die Dritte.
Sie brachten Seife, Tücher, Windeln.

Die ganze Zeit blieb ich im Zimmer,
fernab von diesen fremden Leuten.
Doch irgendwas scheint heute heller.
Sag, was hat das zu bedeuten?

Vier Jungs und ein schwerer Fall

A
So hört mal Jungs, sie liebt nur mich,
denn ich darf ihre Wäsche waschen,
beim Einkauf trag ich ihr die Taschen,
ich helf ihr Autos reparieren
und Geld in Bücher investieren;
sie lässt sich gern von mir beschenken
(wer könnte böses dabei denken)
so sagt sie mir: «Ich liebe Dich.»

B
So hört mal Jungs, sie liebt nur mich,
denn mich besucht sie bis zur Nacht,
wenn ich erzähle, wird gelacht,
ich leihe ihr die schönsten Platten
und hole sie aus ihrem Schatten;
sie lässt sich gern von mir beschenken
(wer könnte böses dabei denken)
so sagt sie mir: «Ich liebe Dich.»

C
So hört mal Jungs, sie liebt nur mich,
denn etwa dreimal alle Wochen,
da schaun wir Film und ich darf kochen,
die Grand-Tour fuhr sie nur mit mir
beim Routen planen helf ich ihr;
sie lässt sich gern von mir beschenken
(wer könnte böses dabei denken)
so sagt sie mir: «Ich liebe Dich.»

D
So hört mal Jungs, sie liebt nur mich,
denn ich hab ihr mein Herz verschenkt
und frag mich ständig, was sie denkt,
ich helf stets, steht die Arbeit still
und bin zur Stelle, wann sie will;
sie lässt sich gern von mir beschenken
(wer könnte böses dabei denken)
so sagt sie mir: «Ich liebe Dich.»

Sie
Ach Jungs, so hört doch auf zu streiten,
ich lass mich stets vom Herzen leiten.
Das sagt, ich kann euch nicht vergleichen
und einer würde mir nicht reichen.
Ich brauch euch alle für mein Leben
und bin euch vieren treu ergeben.
Die Liebe bleibt stets schön und schlicht.
Stimmt für euch das etwa nicht?

Wovor ich mich fürchte

Weißt Du, wie der Winter friert,
wenn Tage schlafen frostverziert
tief in einer grauen Decke?
Die Sonne sitzt bloß in der Ecke.

Weißt Du, wie der Winter stöhnt,
wenn Wind bläst eisigkalt, geschönt,
durch all die leeren Straßenzüge?
Die Wärme klingt wie eine Lüge.

Weißt Du, wie der Winter beißt,
wenn Schnee den Bürgersteig vereist;
Bäume ständig kalt-schwarz stieren?
Die Dämmerung wird sich verlieren.

Weißt Du, wie der Winter klirrt,
wenn Nebel durch die Gassen irrt,
der Wind durch kalten Niesel zischt?
Die Grabeskerze Dein erlischt.

Irrtum

Du denkst, ich will an Deine Wäsche
Du denkst, ich mime einen Fisch
Du denkst, ich sehe Dich als Äsche
Du denkst, ich sei nicht wirklich frisch
Dabei hab ich nur Angst vor harten Wintern

Du denkst, ich sei ´ne Kirschtomate
Du denkst, ich lebe bar von Witz
Du denkst, ich geh in keine Kate
Du denkst, ich trinke niemals Sprizz
Dabei hab ich nur Angst vor harten Wintern

Du denkst, ich wolle ständig Sonne
Du denkst, ich suche noch mein Glück
Du denkst, ich kenne keine Wonne
Du denkst, ich sei ein Bühnenstück
Dabei hab ich nur Angst vor harten Wintern

Du denkst, ich möchte viele Frauen
Du denkst, ich schlafe nie um vier
Du denkst, ich würde niemals klauen
Du denkst, ich sehne mich nach Dir
Dabei hab ich nur Angst vor harten Wintern