Ode an eine Mangrove V

Die Blätter hängen wohl zur Klage,
die Krone trägst Du ziemlich schräg
und wirkst gesamthaft ziemlich träg.
Sind das nun Deine alten Tage?

Du warst doch erst noch jung und stark
und strecktest Triebe in den Himmel,
genossest Deinen Wasserfimmel.
Dein ganzes Leben schien autark.

Nun wirkst Du nur noch voller Schmerz.
Ich merk, Mangrove, Du wirst sterben.
Was bleibt ist wohl ein Haufen Scherben.
Es drückt mir ordentlich aufs Herz.

Und wirst Du auch nicht neu geboren,
(an eine Seele glaub ich nicht)
beruhigt irgendwo mich schlicht:
es geht kein Quark von Dir verloren.

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Ode an eine Mangrove IV

Dein Glück, das währt nicht alle Tage,
Mangrove, Du wirst auch mal alt
und liegst einst reglos da und kalt,
drum stellt sich hier die Gretchenfrage:

Sag, glaubst Du, dass Gott Dich belebt;
und sich uns opferte als Baum?
Sag, glaubst Du auch an diesen Traum
dass er ins Jenseits Dich erhebt?

Sag, glaubst Du, Du bist neu geboren?
Dann warst Du früher eine Linde
mit wunderschöner, dunkler Rinde?
Sag, glaubst Du, Du seist auserkoren?

Du wärst so gern der Baum des Lebens,
und stündest oben in Walhall.
Doch schau, die Welt entstand im Knall.
Es könnte sein, Du glaubst vergebens.

Ode an eine Mangrove III

Ganz zärtlich stehst Du, wirkst fast scheu,
erinnerst mich an eine Feige.
Ein Hauch umwirbelt Deine Zweige.
Ich spür, dass ich Dich auch erfreu.

Ich zähl erst zärtlich jede Narbe.
Jetzt wirst Du ganz sanft angehoben,
wir sind in Zweisamkeit verwoben.
Das Wasser wechselt seine Farbe.

Du zeigst Dein schönstes Blätternest,
Mangrove, bist für mehr parat.
Ich geb Dir alsbald mein Substrat.
Du zitterst und ich halt Dich fest.

Frisch umgetopft bist Du noch fahl,
erschöpft bist Du in Deiner Truhe.
Auch ich brauch erstmal etwas Ruhe
und freue mich aufs nächste Mal.

Ode an eine Mangrove II

Im Topf, da stehst du schnurgerade
erhaben über Freud und Leid.
In Deinem immergleichen Kleid
verzückst Du uns mit Deiner Gnade.

Warum bloß spielst Du Selbstidol,
verweigerst Dir Gemütlichkeit,
Entspannungsbad und Sommerkleid?
Du selbst sagst nie: „Ich fühl mich wohl.“

Ist’s Deine Sucht nach Brackenwasser,
verschleiert sie Dir Deinen Charme?
Ist drum Dir heiß, Dir kalt, nie warm.
Bist drum Du Sonn- und Schattenhasser?

Genieß doch Deine fünfzig Lumen
genauso wie manch Kieselstück.
Erfühl, Mangrove, all Dein Glück
und schenk mir Deine schönsten Blumen.

Ode an eine Mangrove I

für Sophie

Du stehst da im Aquarium
und trägst acht Blätter stolz zur Schau.
Ein Licht erstrahlt in kühlem Blau,
beruhigt das Szenarium.

Sag, wärst Du lieber in der See,
bei Sturm und Flut und Fischgestank?
Du magst nicht diesen Kleiderschrank
und den Geruch von Rooibuschtee?

Mangrove, Du brauchst Dich nicht sorgen,
hier kriegst Du Salz im Filterbecken,
kannst ruhig Dich zur Decke strecken.
Der Wildnis Kampf bleibt Dir verborgen.

Drum bleib bei mir an Deinem Posten,
erfreu mich stets in Anbetracht
von Deiner immergrünen Pracht
und etwas hohen Nebenkosten.

Mittelmäßiges Alter

Die Pickel wichen längstens Falten, 
dafür vom Make-up stets zuviel,
beim Lachen kann sie sich kaum halten,
die Locken rot dank Medizin,
ein Blick verkommt zum Launenspiel.
Sie ist wohl immer noch ein Teen.

Ihr Herz ist treu und spielt mit Herzen,
doch trotzdem hofft so mancher Mann;
sie lächelt, tobt, sie schwatzt, will scherzen,
dass Freund und Feind sich gern verzieh´n;
sie probt den Charme, wo sie nur kann.
Sie flirtet immer wie ein Teen.

Die letzte Nacht war stets die beste,
das Morgen Selbstverständlichkeit,
nur selbst trag sie die weiße Weste,
denn andern fehle Disziplin;
sie meint, sie sähe furchtbar weit.
Sie nervt genau so wie ein Teen.