Tricolore

Die Farbe über dem Waldrand
ist heute ein Grau-Blau-Weiß.
Nicht so recht grau,
nicht so recht blau,
nicht so recht weiß.

Die Farbe vom Parkplatz
ist manchmal ein Grau-Blau-Weiß.
Belag: grau,
Parkuhr: blau,
Felder: weiß.

Die Farbe der Menschen
ist oft ein Grau-Blau-Weiß.
Gefühlt ganz grau,
betrunken blau,
wer weiß.

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Der große Tag

Ab heute wird alles ganz anders:
Herr Erkan trägt Schmuck wie ein Gimpel.
Frau Rosie heißt neuerdings Sanders.
Die Brautjungfern winken mit Wimpel.

Die Tante Luise muss weinen.
Den Tom hört man Pauken verstauen.
Die Flore ist mit sich im Reinen,
sie mochte schon je lieber Frauen.

Den Sektempfang gibts auf zwei Booten.
Danach geht es auf zum Dinieren.
Beim Wein trinkt die Nina nur roten
und John möchte ihr imponieren.

Braut Rosie ist meistens am Strahlen.
Man feiert die glückliche Wende.
Dann: spielen und tanzen und malen.
Im Treppenhaus steht man am Ende.

Ab heute wird alles ganz anders.
Zwei Seelen und ein Himmelreich
für Erkan und für Rosie Sanders?
Zum Glück bleibt das Wichtigste gleich.


Bezug:
(16) Geschichtengenerator in Aktion – Blog vorübergehend im Ruhezustand

Blickfang

Im Nachbarhaus: Licht.
Es fehlen Gardinen.
Freie Sicht
auf sesshafte Sardinen.

Wie still alles steht.
Halbkahle Wände.
Erleuchtete Küchenzeile.

Langeweile.
Voyeurismus – vergeht.

Ende.

Gesamtkonzept

Ein Kunstpreis wurde jüngst verlieh’n:
der alten Hauptstadt Neuberlin.
Dort reiht sich Star an Architekt
und etwas macht die Stadt perfekt,
ein all-verbindend Element:
die Steigleitungen in den Wänd‘
sowie die Feuerwehrzufahrt
blieb keinem Bauplaner erspart.

Heimatdichtung

Beim Deich bläst eine kühle Brise,
voll Schnee ist jede Alpenwiese,
im Mittelland wird’s nicht recht warm
und Frost liegt oft noch auf der Farm.

Jedoch es sprießt im Tal des Föhns
das Gras, die Blumen mit Gedöns
und fröhlich jedes Pflänzchen spricht:
„Ja, dort ist Frühling, hier noch nicht.“

Schulbesuchstag

Wir warten vor der großen Tür,
der 8-Uhr-Gong ertönt.
Die Schüler drängen, wie ich spür,
doch Jubel wär verpönt.

Dicht neben mir die andern Gäste,
gespannt, was nun wohl geht.
Sie hoffen, ihr Kind sei das Beste.
Erst kommt das Alphabet.

Ein Kind streckt dauernd, wie aus Pflicht,
ein zweites hat ’ne Flause,
ein drittes weiß die Antwort nicht.
Und lang geht’s bis zur 9-Uhr-Pause.

Nun geht’s ums Rechnen rund um zehn,
’ne Mama grinst verzückt,
auch Arnulfs Vater möcht’s verstehn.
Ein Schulstuhl wird verrückt.

So, neun plus drei sind zehn plus zwei,
auch Zahlen sind verliebt.
Ganz vorn doziert nun jemand frei.
Mit Mathe wird gesiebt.

Ein Kind streckt dauernd, wie aus Pflicht,
ein zweites hat ’ne Flause,
ein drittes hört die Frage nicht.
Und lang geht’s bis zur 10-Uhr-Pause.

Nun geht’s zum Schulsport: Trimm Dich fit.
Dünn-Sven zeigt stolz die Brust,
die meisten laufen einfach mit,
doch Sue-Ann fehlt die Lust.

Fünf Gruppen jeweils andrer Zahl,
die stehen in sechs Reihen.
Ein Ball hüpft lustig durch den Saal,
ein Bub fängt an zu schreien.

Ein Kind streckt dauernd, wie aus Pflicht,
ein zweites zupft die Krause,
ein drittes mag so Turnen nicht.
Und lang geht’s bis zur 11-Uhr-Pause.

Zum Schluss gibts einen Bastelkurs.
Das Thema: freies Malen.
Ein krummes Brett verziert Schlau-Urs,
sein Vater leidet Qualen.

Ein Pfingstgeschenk soll das wohl sein,
was Buntes für daheim.
Verziert wird dieser Liebesschrein
mit Watte und mit Leim.

Ein Kind streckt dauernd, wie aus Pflicht,
ein zweites hat ’ne Flause,
ein drittes kennt die Farben nicht.
Und lang geht’s bis zur Mittagspause.


Bezug:
(15) Geschichtengenerator in Aktion