Vorsicht Spinne

Sie hockt in Dorfes Mitte
im klerikalen Kleid.
Sie gibt sich zahm, sagt ‚Bitte‘
und hofft, sie tu mir leid.

Sie spinnt. Sie ist am Weben
ein Netz ganz hell und blass,
verspricht mir ‚Ewig Leben!‘,
falls ich mich fangen lass.

Du, Spinne, wirbst vergebens,
denn nichts hält ewiglich.
Du bist zum Schluss des Lebens
genau so tot wie ich.

Doch darf ich nicht vergessen,
noch Jahre hockt sie hier,
wird meine Kinder fressen,
warn ich Euch nicht vor ihr.

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Die Made

Die Made frisst sich durch den Speck.
Sie stöhnt und ist am Klagen:
ihr Leben sei so gar kein Schleck,
geplagt ihr zarter Magen.

Sie kenn‘ nur Müh statt Lebenslust,
der Alltag werd‘ stets fader
und Frühstückspausen seien Frust.
Seht, sie gehört zum Kader!

Ulysses

Töchterchen

Papà, ach wo steckst Du,
so hör mal Papà!
Was soll ich denn machen?
Sag hörst Du mir zu?

Papà, ach, heut´dacht ich,
die Schule nervt arg.
Ich mach jetzt mal Essen.
Papà: beacht´mich!

Papà, ach, ich such Dich.
Die Pizza wird kalt.
Ich gehe jetzt schlafen.
Papà, hörst Du mich?

Papà, ach wo steckst Du?

Die Lehrerin

Der Schulplan sieht hier
rund acht Stunden Mathe
dann basteln mit Watte-
und Pappekram vor.

Auch Englisch und Deutsch,
sowie das Fach Schulsport
sind bei uns im Schulort
nicht fakultativ.

Sie rufen mich an:
bei sonstigen Fragen
und schulischen Klagen.
Das wird dann geklärt.

Verwandlung

Mütze weg, Brille weg.
Jacke aus, Schuhe aus.
Hemd weg, Hose weg.
Hemdchen aus, Höschen aus.
Anzug über, – Badetuch.

Kappe auf, Brille auf.
Haare nass, Körper nass.
Füße rein, Hände rein.
Kinn lang, Beine lang.
Arme dreh’n, Rumpf dreh’n.
Kinn lang, Beine lang.
Arme dreh´n, Rumpf dreh´n.
Kinn lang, Beine lang.
Arme dreh´n, Rumpf dreh´n.
Hände raus, Füße raus.
Brille runter, Kappe runter.
Körper nass, Haare nass.
Anzug weg, – Badetuch.

Körper trocken, Haare trocken.
Höschen an, Hemdchen an.
Hemd an, Hose an.
Schuhe an, Jacke an.
Brille an, Mütze an.

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Geliebte

Die Augen: grün-grau
Dein seidener Blick
Es machte gleich klick
Ich sah es genau

Die Worte: sanft-weich
So hilflos, galant
Den Rücken zur Wand
Ich hörte es gleich

Deine Hand: kühl-weiß
Ein sanft-scheuer Stoß
Bald unter der Schoß
Ich spürte den Schweiß

Ein Kuss wurde Wort
Die Jahrzahl zur Sieben
Nur Locken die blieben
Denn nun bist Du fort

Aloha (Referenz)

Sie war kurz verschwunden
Sechsundzwanzig Stunden
oder doch nur zwei?

Sie sah Himmelsnarben,
regenbogenfarben,
wie ein Modeschrei,

Sterne die zerfließen.
Wasser zu den Füßen
fühlte sie sich frei.

Weißt Du was sie nahm,
woher alles kam?
Kopfweh macht der Brei!

Nun plagt sie die Frage,
wie die Zustandslage
ihres Zustands sei.

Lucy in the sky

Totentanz

„Zuerst stach ein Schmerz mich ganz klar.
Und dann ein Gefühl, sonderbar,
denn dann fing mein Geist an zu schweben.
Und dann dachte ich an mein Leben.
Und dann sah ich alles von oben.
Und dann wollte ich Jahwe loben.
Und dann fühlte ich mich bereit,
Und dann sprach die Einfaltigkeit,
denn dann hört‘ ich: ‚Fürchte Dich nicht.‘
Und dann kam das Licht

und dann die Sanität!
Zum Glück war es noch nicht zu spät.“

Das Hirn erzeugte da Sphären.
Fach Psycho kann es erklären.
Doch da zeigt sich mancher verwirrt
und weiß nicht, dass Descartes sich irrt.

Wetterprognose

Allgemeine Lage
Ein Hoch bringt Luft recht warm und frisch
wie Blumenduft und junger Fisch.
Ein Wind, ganz leicht, erfreut das Herz,
so dass das Glück nicht reicht, bar Schmerz.

Die weiteren Aussichten
Der Abend schwül, mit zirpender Grille,
dann später kühl und frostige Stille.
Am Montag: Tief mit stürmischen Böen
(die Kleider triefend) bis in die Höhen.

Nebelzone

Als sich dann die Schwaden dort hoben
Da wirkte das Bild wie gewoben
Ein Blech war ins nächste geschoben

Ganz hinten: der Brummer steht quer
Einst rund vierzig Tonnen wohl schwer
Das Tankfass läuft langsam ganz leer

Ganz vorne, die Planke durchschlagen
Ein anderer Sattelzugwagen
Wohl da auch ein Fußbremsversagen

Dazwischen das wirkliche Grauen
Die knapp siebzig PWs verhauen
Erkennbar nicht Männer nicht Frauen

Stadtbummel

Bahnhofsuhr
Links: Rollband
Rechts: Bücher
Vorne: U-Bahn
Links: Kaufland
Rechts: Tücher
Vorne: Stadtplan
Weiter

Weltzeituhr
Links: Platten
Rechts: Flaschen
Vorne: Passage
Links: Schatten
Rechts: Waschen
Vorne: Massage
Weiter

Rathausuhr
Links: Lauben
Rechts: Buchwurm
Vorne: Spiele-Hampel
Links: Tauben
Rechts: Wachtturm
Vorne: rote Ampel
Stopp – Vorsicht!

Nicht rechts gehen
Nicht links stehen
Zu spät!
Tauben koten uns voll

Val Tremola

Airolo – Bedrina
Motto Bartola – Chiassin
Motto di Dentro – Casa di ricovero
Ponte di Mezzo – Casa San Guiseppe
Capella dei Morti – Sasso

Jule und Mia

Ich sah sie erst im Morgengrau
Sie saßen am Balkon
Ein sternenklarer Ton
Miau-miau-miau-miau

Mein frühstückleerer Magen: flau
Gesang zum Gotteslohn
Wie durch ein Megaphon
Miau-miau-miau-miau

Die Tiere machen mich nicht schlau
Der Abstand siebzehn Gon
Sag, zeigt sich so ihr Hohn
Miau-miau-miau-
miiiiiiiiiiiaaaaaaaaaaaa…

ZMB 85789: Plastisches Objekt

In den Humboldt-Wissenswochen
Er fragt sich, was steht hier bloß
Dreimal fast 1 Meter groß
Sieh doch, solch ein Megaknochen

Welch‘ ein Schädel, wie ein Schatz
Richtig wuchtig, aber doch
In der Mitte nur ein Loch
Hat kein zweites Auge platz?

Was nur ist des Untiers Name
Er denkt nach, was das wohl war
Riese, Monstrum oder gar
– eine Zyklopendame!

Der Untergang

Pappsatt liegt auf der Luftmatratz‘ im Becken
die Wonne, müd‘ vom Wienerschnitzelschmause
mit sonnengold’nen Pommes-Fritt, macht Pause.
Kein Lüftchen weht. – So darf das Leben schmecken.

Da plötzlich pfeift der Wind rund um die Ohren.
Ein Sturm! Zwar ganz lokal, doch welch ein Toben.
Das Wasser schwappt, schlägt Bug und Heck nach oben.
Da sinkt das Schiff und ist für ganz verloren.

Jetzt hilft kein Schrei’n, es hilft jetzt auch kein Flehen.
Es gilt allein den Schreck zu überstehen.
Was Wonne einst kommt schrecklich in Bedrängnis.

Ihr seht hier: alle Sicherheit ist endlich.
So wird an diesem Tag fast selbstverständlich
ein Loch in der Matratze zum Verhängnis.

Konjugation

Bezirzte – bezirze – bezirze
Bezirztest – bezirzst – bezirzt
Bezirzte – bezirzt – bezirzt
Bezirzten – bezirzen – bezirzen
Bezirztet – bezirzt – bezirzt
Bezirzten – bezirzt – bezirzen

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Im Treppenaufgang

Ein Eimer beim Keller
parkt dienstag stets dort.
Und grüß ich die Putzfrau,
dann reinigt sie schneller.

Erkennt sie mich wieder?
Sie schaut trotzdem nett,
kehrt sich kurz zur Seite
und fegt dann recht bieder.

Frau Tochter kommt auch heim,
schreit: „Endlich Papà!“,
schabt schnell ihre Schuhe,
beendet den Suchreim.

Ich stehe beim Keller.

Home sweet home

Es gibt keinen Ort
so schön wie zuhause.
Nur hier gibt es Pause,
mein Liebling, bei Dir.

Nur all der Besuch!
Ich mag keine Gäste
und auch keine Feste.
Hört: geht doch hier fort.

Den Tisch aufgeräumt.
Den Spüler auf Power
(ein Öko würd‘ sauer).
Das Chillen geht los.

Penelope

Ich neben Dir
Du liest Singer
Sanft berühren
Du drehst Dich
Kommst nah
Lächelst
Meine Hände wandern
Kreisen schier
Ganz zahm
Rundungen spüren
Zunge und Brust
Gemütlich
Feuchte Finger
Langsam
Körper auf dem andern
Verdreht
Etwas steht
Du hechelst
Geräusche der Lust
Und dann
daaaan daaan daan dan da
a-a-a-a
h-h-h-h
ah ah ah ah
JA!

Bildausschnitt

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-- Kreis Kreis Kreis Kreis --
Kreis Kreis Kreis Kreis Kreis
-- Kreis Kreis Kreis Kreis --
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----- -- Kreis Kreis -- -----
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Altweibersommer

Federweißer füllt den Becher,
diesen Vorteil kennt der Herbst.
Kinder spielen in der Sonne.
Maya sucht nach einem Stecher.

Hoch mein Glas. Es fehlt an Mumm
wie an Wespen in der Luft.
Wasser glitzert in der Tonne.
Sehnsucht lächelt leicht und stumm.

Hefe klebt am Glas so grün.
Jule schwelgt vom Sommerglück,
achtsam, sich nicht zu verkühl´n.
Ein Gefühl dann: scharf, heiß, kühn.

Federweißer rinnt dahin,
hier ein Windrad vor dem Sturm,
Mädchen lächeln, Wangen glühn.
Beischlaf!, trübt Frau Mayas Sinn.