Spuk

Trick-or-treat

Wenn kalter Wind ist Herbstes Zier
und Nebel durch die Gassen schleicht
passiert es Dir nur allzu leicht:
der alte Steffel steht vor Dir

Er steht nur da, in dunklem G´wand
und lenkt Dich weg von Deinem Ziel
die Augen leuchten grell und kühl
Pass auf! er stiehlt Dir den Verstand

Du weißt, er riecht nach Menschenduft
von jenseitigem Rauch durchdrungen
kommst ihm zu nah, wirst Du verschlugen
und alsbald ruft die Totengruft

Drum Vorsicht, dass er Dich nicht sieht
und hüte Dich vor den Kumpanen
sie werfen Dich aus Deinen Bahnen
nur Rettung gibt’s für den der flieht

denn hörst den Schrei der Pummerin
wie eisig kalt er schrill verklingt
dann weißt Du, was Dir Schrecken bringt
denn sie verkündet Hallo Wien

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Hormonie

Ein Grammophon spielt eine Platte.
Mit Worten weich wie weiße Watte
wird da der Liebeswahn besungen,
selbst Ohne Dich ist zart erklungen.

Des Sängers Lächeln kann man spüren.
Es lässt Dir gar das Blut gefrieren.
Der Sound schmilzt sanft-süß in der Luft,
ein Kitsch erklingt wie Blumenduft.

Es wird wohl klar, worauf das zielt,
ein alter Ohrwurm frisch gespielt:
Mein Grammophon spielt diesen Hit.
Warum sing ich nur lautstark mit?

Im Blumenladen

Die Rose
Verehrer gab es massenhaft
und mache haben’s nicht gerafft:
sie blieb stets schwach verbunden.

Die Orchidee
Er kam und nahm sie in den Arm,
versprach, er gäbe ihr schön warm.
Zu zweit sind sie verschwunden.

Die Tulpe
Als Teil von einem bunten Strauß
nahm sie von diesem Ort reis aus.
Sie wollt‘ die Welt umrunden.

Der Kaktus
Am Abend konnte man ihn sehen
als Einzahl aller Stechkakteen.
Den Tiefschlag hat er schlecht verwunden.

Lass uns gemeinsam

Lass uns gemeinsam traurig sein,
so traurig, wie die Tiere,
so traurig, wie zwei Biere,
die trinke ich zum Wohle Dein.

Lass uns gemeinsam traurig sein,
als ob ich nur sinniere,
als ob ich pubertiere
und altere zum Wohle Dein.

Lass uns gemeinsam traurig sein,
von nachts bis früh um viere,
von nachts bis ich früh friere,
drum niese ich zum Wohle Dein.

Lass uns gemeinsam traurig sein,
auch wenn ich mich geniere,
auch wenn ich mich noch ziere
und flüstere zum Wohle Dein.

Lass uns gemeinsam traurig sein,
so traurig, wie Klaviere,
so traurig, wie die Tiere,
dann küss ich Dich zum Wohle Dein.

Rosa

Zu Anfang – ich sag’s einmal scheu –
glich sie in etwa … so … Efeu
und auch ihr Duft war, eher platt,
grad wie bei einem Buchenblatt.

Doch über Nacht da gab es welch
ein Wunder! Farbig wurd‘ ihr Kelch
und rot die Blätter ihrer Blüte
mit Duft, vor dem man mich behüte!

Der Reiz kam nun sie abzubrechen.
Nur furchtlos ran! Sie tat nicht stechen.

Doch nun auf meinem Stubentisch,
da wirkt sie alsbald nicht mehr frisch,
das Vasenwasser langsam schmierig.
Sie ekelt mich und sie wird schwierig:

Sie nennt mich Pflock.
Sie sehnt nach ihrem Rosenstock.

Eidgenossen

Ein Geist steht hier, ein Du aus alten Zeiten.
Du gleichst dem Typ von früher aus der Schule,
der mit die Holzbank drückte. Ja, der coole!
Nur der war sportlich. Du hier: zu bestreiten.

Ich glaub, Du denkst, ich möchte Dir was sagen.
Nur sag, was gäb‘ es noch bei uns an Themen.
Erinnerst Dich an mich ja bloß in Schemen.
Hast Du die Welt verbessert – könnt ich fragen.

Einst saßen wir im Brauhaus, viele Stunden.
Ich mochte Schweden, Du die Eidgenossen.
Das Bier, der Wein und auch die Schnäpse flossen.
Und plötzlich sind wir irgendwann verschwunden.

Ich glaub, Du denkst, ich möchte etwas sagen.
Nur denk, was gäb‘ es denn bei uns an Themen.
Erinnerst Dich an mich ja kaum in Schemen.
Hast nun die Welt verbessert – soll ich fragen?

Und heut und jetzt, da stehen wir zwei hier.
Kannst Du den Geist von einst denn nicht ertragen?
Du hoffst, ich würde etwas schlaues sagen.
Doch schier nichts sagst Du mir.

Auch wenn Du hoffst, dass ich nun etwas sage.
Was gäbe es bei uns denn noch an Themen.
Erinnerst Dich an mich nicht mal in Schemen.
Kein bisschen Welt verbessert – keine Frage.

In Anlehnung an: ‚Quick‘ von Züri West

Letzte Nacht

Ein Hauch im Zimmer wehte frisch.
Um drei Uhr nachts wurd‘ ich geweckt,
ein Knacksen hat mich aufgeschreckt.
Der Tod saß unterm Kleidertisch!

Es wurd‘ mir klamm, ich fand’s nicht nett.
Er schien vergnügt, gurrte die Kehl‘,
vertilgte eine arme Seel‘.
Ein solches Mahl bei meinem Bett!

Doch hält man sich da selbst zurück?
Ich hofft‘, ich bliebe unbemerkt,
so lange er dort vor sich werkt.
Und siehe da: ich hatte Glück.

Heut Morgen, nach der dunklen Nacht,
da schlief die Katze wie entrückt
und ich hab ziemlich un-entzückt
ihr’n Amselrest zum Müll gebracht.