Blumenladengeschwätz

Fünf Epiphyten
wie aus fünf Mythen
standen im Laden,
sahen fünf Waden.
Schauten.
Saugten
Wörter aus Äther,
nährten sich später
an Substrat,
an Phosphat;
sie standen im Reigen,
erhofften das Schweigen.

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Ein-Nacht-Schmarotzer

Ich kannte sie vom Netzwerk Tinder.
Das Ziel war eine heiße Nacht.
Wir haben uns zu Bett gebracht,
wohl nie ging Zweisamkeit geschwinder.

Die Arme schräg, die Beine quer,
es glich acht Wurzeln in der Luft.
Sie redete noch ohne Kluft.
Der Atem stieß im Gleichtakt schwer.

Sie blieb noch nach dem Balzgetanze,
und wollt die Körper nochmals reiben,
doch ich wollt lieber sie vertreiben.
– Gleichsam einer Aufsitzpflanze.

Verregnete Adventsstimmung

Der Nikolaus hockt in der Gosse.
Der Niesel löst den falschen Schnauz,
verschmiert die Schminke gar zur Posse.
Die Mitra drückt den tristen Kauz.

Im Matsch vergilben Fussabdrücke
von Esel, Schmutzli und Laterne.
Sein Blick gleicht jenem einer Mücke
dem willenlos entglitt die Ferne.

Am Nachbarhaus erblinkt ein Licht,
verfärbt sich bald nach allen Seiten.
Er hockt nur da und rührt sich nicht,
erwartet gnadenreiche Zeiten.

Grundfarben

Feuerrot, Himbeerrot, Karminrot, Korallenrot, Leuchthellrot, Leuchtrot, Orientrot, Oxidrot, Purpurrot, Rubinrot, Signalrot, Tomatenrot, Verkehrsrot, Weinrot.

Currygelb, Dahliengelb, Ginstergelb, Goldgelb, Honiggelb, Leuchtgelb, Maisgelb, Melonengelb, Narzissengelb, Olivgelb, Pastellgelb, Safrangelb, Sandgelb, Schwefelgelb, Signalgelb, Sonnengelb, Zinkgelb, Zitronengelb.

Azurblau, Brillantblau, Capriblau, Enzianblau, Fernblau, Grünblau, Himmelblau, Kobaltblau, Lichtblau, Nachtblau, Pastellblau, Perlnachtblau, Saphirblau, Signalblau, Stahlblau, Ultramarinblau, Verkehrsblau, Violettblau.

Willkommen in der Anstalt

Schon bei der großen Türe
begrüßt ein Herr Doktor
ganz ohne Starallüre
glänzt neben ihm ein Anwalt
hier steht mir was bevor

Willkommen in der Anstalt!

Im Wartezimmer weilend
da simst ein Präsident
er wirkt verirrt und eilend
ihm fehlt es wohl an Anhalt
und Regeln die er kennt

Willkommen in der Anstalt!

Dann in der Gummizelle
ein Rockstern singt versaut
signiert fast jede Stelle
bevor man sie schnell anschnallt
süß schimmernd schreit sie laut

Willkommen in der Anstalt!

Nun bei den bösen Fällen
biegt jemand sich zum Beil
ein Boxer wagt zu bellen
hebt Beinchen wie im Bannwald
ein Maler ruft stets Heil

Willkommen in der Anstalt!

Im Haustrakt Nr. 3
vernichtet mich ein Richter
er fragt, wer ich denn sei
bevor er sich pink anmalt
ich halt mich selbst als Dichter

Willkommen in der Anstalt!

Nieselnder Regen

Ich sterbe beständig ganz sanft vor mich hin,
tagein und tagaus bloß ein ganz kleines Stück.
Das ganz große Glück stand bei mir zu Beginn,
es fühlte sich an wie ein nieselnder Regen.
Mit feucht fahlem Flaum denke ich hier zurück.

Ich sterbe beständig ganz sanft vor mich her,
des morgens, wenn irgendein Zeitgerät dröhnt.
Die Liebe lag lang wie ein trunkenes Meer,
es fühlte sich an wie ein nieselnder Regen.
Doch Wasser verdunstet, es bleibt nichts geschönt.

Ich sterbe beständig ganz sanft vor mich hin,
des mittags, da wir einen Pausenkreis drehn.
Dein Plappern erfüllte mir meist meinen Sinn,
es fühlte sich an wie ein nieselnder Regen:
Behutsam betröpfelt, doch keiner bleibt stehn.

Ich sterbe beständig ganz sanft vor mich her,
des abends, wenn Tagwerk ward nutzlos vertan.
Das zweisame Essen, erquickend und schwer,
es fühlte sich an wie ein nieselnder Regen,
der digestif-panschend verzögert den Wahn.

Ich sterbe beständig ganz sanft nur für mich,
wohin ich auch geh, auf verschlungenen Wegen,
da merk ich, wie viel schon vom Dasein verstrich.
Es fühlte sich an wie ein nieselnder Regen:
Benetzend und ätzend. Nur nicht überlegen.