Ferien

In Porto Valtravaglia*
da fährt zwar nicht die Gallia**,
doch im Bistro gibt’s Aperol.
Da nehm‘ ich doch gleich zwei.

Zum Wohl!


*Ort am Lago Maggiore
**Dampfschiff auf dem Vierwaldstättersee

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Grundfarben

Feuerrot, Himbeerrot, Karminrot, Korallenrot, Leuchthellrot, Leuchtrot, Orientrot, Oxidrot, Purpurrot, Rubinrot, Signalrot, Tomatenrot, Verkehrsrot, Weinrot.

Currygelb, Dahliengelb, Ginstergelb, Goldgelb, Honiggelb, Leuchtgelb, Maisgelb, Melonengelb, Narzissengelb, Olivgelb, Pastellgelb, Safrangelb, Sandgelb, Schwefelgelb, Signalgelb, Sonnengelb, Zinkgelb, Zitronengelb.

Azurblau, Brillantblau, Capriblau, Enzianblau, Fernblau, Grünblau, Himmelblau, Kobaltblau, Lichtblau, Nachtblau, Pastellblau, Perlnachtblau, Saphirblau, Signalblau, Stahlblau, Ultramarinblau, Verkehrsblau, Violettblau.

Willkommen in der Anstalt

Schon bei der großen Türe
begrüßt ein Herr Doktor
ganz ohne Starallüre
glänzt neben ihm ein Anwalt
hier steht mir was bevor

Willkommen in der Anstalt!

Im Wartezimmer weilend
da simst ein Präsident
er wirkt verirrt und eilend
ihm fehlt es wohl an Anhalt
und Regeln die er kennt

Willkommen in der Anstalt!

Dann in der Gummizelle
ein Rockstern singt versaut
signiert fast jede Stelle
bevor man sie schnell anschnallt
süß schimmernd schreit sie laut

Willkommen in der Anstalt!

Nun bei den bösen Fällen
biegt jemand sich zum Beil
ein Boxer wagt zu bellen
hebt Beinchen wie im Bannwald
ein Maler ruft stets Heil

Willkommen in der Anstalt!

Im Haustrakt Nr. 3
vernichtet mich ein Richter
er fragt, wer ich denn sei
bevor er sich pink anmalt
ich halt mich selbst als Dichter

Willkommen in der Anstalt!

Nieselnder Regen

Ich sterbe beständig ganz sanft vor mich hin,
tagein und tagaus bloß ein ganz kleines Stück.
Das ganz große Glück stand bei mir zu Beginn,
es fühlte sich an wie ein nieselnder Regen.
Mit feucht fahlem Flaum denke ich hier zurück.

Ich sterbe beständig ganz sanft vor mich her,
des morgens, wenn irgendein Zeitgerät dröhnt.
Die Liebe lag lang wie ein trunkenes Meer,
es fühlte sich an wie ein nieselnder Regen.
Doch Wasser verdunstet, es bleibt nichts geschönt.

Ich sterbe beständig ganz sanft vor mich hin,
des mittags, da wir einen Pausenkreis drehn.
Dein Plappern erfüllte mir meist meinen Sinn,
es fühlte sich an wie ein nieselnder Regen:
Behutsam betröpfelt, doch keiner bleibt stehn.

Ich sterbe beständig ganz sanft vor mich her,
des abends, wenn Tagwerk ward nutzlos vertan.
Das zweisame Essen, erquickend und schwer,
es fühlte sich an wie ein nieselnder Regen,
der digestif-panschend verzögert den Wahn.

Ich sterbe beständig ganz sanft nur für mich,
wohin ich auch geh, auf verschlungenen Wegen,
da merk ich, wie viel schon vom Dasein verstrich.
Es fühlte sich an wie ein nieselnder Regen:
Benetzend und ätzend. Nur nicht überlegen.

Lux aeterna

Wie finster die Nacht
Wie strömend der Regen
Wie fehlt jede Pracht
kein Morgen könnt´s geben

Dein Reden sagt: «Schau
Dein Zustand: ein Fimmel!»
Dein Lachen schreit: «Blau
scheint morgen der Himmel!»

Klar, Dunkel folgt Hell
Klar, wachen tönt richtig
Klar, kommt der Appell
doch schlafen ist wichtig

Nicht Er

Sag, willst Du mir die Liebste sein,
die Zweisamkeit zu zweit erwandern?
Ich weiß, Du lebst nicht ganz allein,
kochst heute noch mit einem andern.

Doch schau, was der kann, liegt auch mir:
ich finde Haare in der Suppe,
das Bad verschmutz ich Dir zur Zier,
der Dreck von mir ist mir oft Schnuppe.

Beim Putzen zeig ich Sparsamkeit,
den Müll entsorg ich auf Geheiß,
zum Steuern zahlen brauch ich Zeit,
nur Pausen mache ich mit Fleiß.

Du siehst, Du kriegst, was Du schon kennst,
doch hör, ein Unterschied wiegt schwer,
ich hoffe, das Du den erkennst:
Ich bin nicht er!

Ein Unfall

Heut Morgen, etwa neun Uhr zehn,
da trank ich einen Kaffee-Latte,
erhoffte mir, ich werd‘ sie sehn.
Tatsächlich stand sie auf der Matte.

Sie grüßte kurz, um nicht zu grüßen,
indem sie ihre Schulter zeigte,
entzog so Boden meinen Füßen,
– unter mir war nur noch Weite.

Drum fiel ich plötzlich, ich fiel leis‘,
ich sah ganz kurz noch ihren Rock
und danach stieß ich meinen Steiß:
Ich landete im untern Stock.

Dort lag ich zwischen fremden Leuten
erbleicht ab meines Schreckes Schrei.
Die wussten nicht den Fall zu deuten.
Doch traurig lag mein Herz entzwei.

Halb staubbedeckt schnell aus dem Staub,
so dacht ich nur noch voller Trauer.
Ich humpelte, halb blind, halb taub,
zur nächsten freien Klagemauer.

Dort merkt‘ ich, ich war noch am Leben.
Mein Herz, das manchmal übertreibt,
ich konnte es zusammenkleben.
Nur leider: eine Narbe bleibt.