Mein Weihnachtsbaum

Zwei Moslemkinder, schwer beglückt,
haben meinen Baum geschmückt
und alles herzvoll angebracht.

Nur schau, der Baum: zählt das als Pracht?
Die Kugeln hängen an den Zweigen
als rot-gold-silber-weißer Reigen,
auch Gelb und Blau sind von Partie.

Und doch: ich fühl ihn schön wie nie!
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Mittelmäßiges Alter

Die Pickel wichen längstens Falten, 
dafür vom Make-up stets zuviel,
beim Lachen kann sie sich kaum halten,
die Locken rot dank Medizin,
ein Blick verkommt zum Launenspiel.
Sie ist wohl immer noch ein Teen.

Ihr Herz ist treu und spielt mit Herzen,
doch trotzdem hofft so mancher Mann;
sie lächelt, tobt, sie schwatzt, will scherzen,
dass Freund und Feind sich gern verzieh´n;
sie probt den Charme, wo sie nur kann.
Sie flirtet immer wie ein Teen.

Die letzte Nacht war stets die beste,
das Morgen Selbstverständlichkeit,
nur selbst trag sie die weiße Weste,
denn andern fehle Disziplin;
sie meint, sie sähe furchtbar weit.
Sie nervt genau so wie ein Teen.

Verregnete Adventsstimmung

Der Nikolaus hockt in der Gosse.
Der Niesel löst den falschen Schnauz,
verschmiert die Schminke gar zur Posse.
Die Mitra drückt den tristen Kauz.

Im Matsch vergilben Fussabdrücke
von Esel, Schmutzli und Laterne.
Sein Blick gleicht jenem einer Mücke
dem willenlos entglitt die Ferne.

Am Nachbarhaus erblinkt ein Licht,
verfärbt sich bald nach allen Seiten.
Er hockt nur da und rührt sich nicht,
erwartet gnadenreiche Zeiten.

Willkommen in der Anstalt

Schon bei der großen Türe
begrüßt ein Herr Doktor
ganz ohne Starallüre
glänzt neben ihm ein Anwalt
hier steht mir was bevor

Willkommen in der Anstalt!

Im Wartezimmer weilend
da simst ein Präsident
er wirkt verirrt und eilend
ihm fehlt es wohl an Anhalt
und Regeln die er kennt

Willkommen in der Anstalt!

Dann in der Gummizelle
ein Rockstern singt versaut
signiert fast jede Stelle
bevor man sie schnell anschnallt
süß schimmernd schreit sie laut

Willkommen in der Anstalt!

Nun bei den bösen Fällen
biegt jemand sich zum Beil
ein Boxer wagt zu bellen
hebt Beinchen wie im Bannwald
ein Maler ruft stets Heil

Willkommen in der Anstalt!

Im Haustrakt Nr. 3
vernichtet mich ein Richter
er fragt, wer ich denn sei
bevor er sich pink anmalt
ich halt mich selbst als Dichter

Willkommen in der Anstalt!

Lux aeterna

Wie finster die Nacht
Wie strömend der Regen
Wie fehlt jede Pracht
kein Morgen könnt´s geben

Dein Reden sagt: «Schau
Dein Zustand: ein Fimmel!»
Dein Lachen schreit: «Blau
scheint morgen der Himmel!»

Klar, Dunkel folgt Hell
Klar, wachen tönt richtig
Klar, kommt der Appell
doch schlafen ist wichtig

Ein Unfall

Heut Morgen, etwa neun Uhr zehn,
da trank ich einen Kaffee-Latte,
erhoffte mir, ich werd‘ sie sehn.
Tatsächlich stand sie auf der Matte.

Sie grüßte kurz, um nicht zu grüßen,
indem sie ihre Schulter zeigte,
entzog so Boden meinen Füßen,
– unter mir war nur noch Weite.

Drum fiel ich plötzlich, ich fiel leis‘,
ich sah ganz kurz noch ihren Rock
und danach stieß ich meinen Steiß:
Ich landete im untern Stock.

Dort lag ich zwischen fremden Leuten
erbleicht ab meines Schreckes Schrei.
Die wussten nicht den Fall zu deuten.
Doch traurig lag mein Herz entzwei.

Halb staubbedeckt schnell aus dem Staub,
so dacht ich nur noch voller Trauer.
Ich humpelte, halb blind, halb taub,
zur nächsten freien Klagemauer.

Dort merkt‘ ich, ich war noch am Leben.
Mein Herz, das manchmal übertreibt,
ich konnte es zusammenkleben.
Nur leider: eine Narbe bleibt.