Ferien

In Porto Valtravaglia*
da fährt zwar nicht die Gallia**,
doch im Bistro gibt’s Aperol.
Da nehm‘ ich doch gleich zwei.

Zum Wohl!


*Ort am Lago Maggiore
**Dampfschiff auf dem Vierwaldstättersee

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Willkommen in der Anstalt

Schon bei der großen Türe
begrüßt ein Herr Doktor
ganz ohne Starallüre
glänzt neben ihm ein Anwalt
hier steht mir was bevor

Willkommen in der Anstalt!

Im Wartezimmer weilend
da simst ein Präsident
er wirkt verirrt und eilend
ihm fehlt es wohl an Anhalt
und Regeln die er kennt

Willkommen in der Anstalt!

Dann in der Gummizelle
ein Rockstern singt versaut
signiert fast jede Stelle
bevor man sie schnell anschnallt
süß schimmernd schreit sie laut

Willkommen in der Anstalt!

Nun bei den bösen Fällen
biegt jemand sich zum Beil
ein Boxer wagt zu bellen
hebt Beinchen wie im Bannwald
ein Maler ruft stets Heil

Willkommen in der Anstalt!

Im Haustrakt Nr. 3
vernichtet mich ein Richter
er fragt, wer ich denn sei
bevor er sich pink anmalt
ich halt mich selbst als Dichter

Willkommen in der Anstalt!

Lux aeterna

Wie finster die Nacht
Wie strömend der Regen
Wie fehlt jede Pracht
kein Morgen könnt´s geben

Dein Reden sagt: «Schau
Dein Zustand: ein Fimmel!»
Dein Lachen schreit: «Blau
scheint morgen der Himmel!»

Klar, Dunkel folgt Hell
Klar, wachen tönt richtig
Klar, kommt der Appell
doch schlafen ist wichtig

Ein Unfall

Heut Morgen, etwa neun Uhr zehn,
da trank ich einen Kaffee-Latte,
erhoffte mir, ich werd‘ sie sehn.
Tatsächlich stand sie auf der Matte.

Sie grüßte kurz, um nicht zu grüßen,
indem sie ihre Schulter zeigte,
entzog so Boden meinen Füßen,
– unter mir war nur noch Weite.

Drum fiel ich plötzlich, ich fiel leis‘,
ich sah ganz kurz noch ihren Rock
und danach stieß ich meinen Steiß:
Ich landete im untern Stock.

Dort lag ich zwischen fremden Leuten
erbleicht ab meines Schreckes Schrei.
Die wussten nicht den Fall zu deuten.
Doch traurig lag mein Herz entzwei.

Halb staubbedeckt schnell aus dem Staub,
so dacht ich nur noch voller Trauer.
Ich humpelte, halb blind, halb taub,
zur nächsten freien Klagemauer.

Dort merkt‘ ich, ich war noch am Leben.
Mein Herz, das manchmal übertreibt,
ich konnte es zusammenkleben.
Nur leider: eine Narbe bleibt.

Der Weihnachtsbaum

Oh Weihnachtsbaum, wie stehst Du da,
gestützt auf den Container.
Du weißt, die letzte Stund ist nah,
auch Du wirst nicht mehr schöner.

Vor kurzem stand’st Du, jung und frisch,
mit Glitzerschmuck behangen,
gleich neben einem Weihnachtstisch.
Rot war’n der Kinder Wangen.

Bald wirst Du voller Faschingsdreck.
Dein Farbenkleid das wechselt.
Und zum Schluss, als letzten Schreck,
wirst Du komplett zerhäckselt.

Weihnachtsgedanke

Ich weiß, die Leser glauben’s kaum,
doch dies Jahr ist mein Weihnachtsbaum
mit Silberglanz und Kerzen gar
noch hübscher als im letzen Jahr.

Ich sitze da und schau die Pracht,
mein Radio spielt Stille Nacht,
Oh fröhlich!, Kommt ihr Kinderlein!,
und an Neujahr mal Auld lang syne.

Mein Weinglas duftet leicht nach Zimt
und Schoko. Eine Kerze glimmt.
Neun Plätzchen ess ich feierlich –
und denk zum Ende bloß an Dich.