Blumenladengeschwätz

Fünf Epiphyten
wie aus fünf Mythen
standen im Laden,
sahen fünf Waden.
Schauten.
Saugten
Wörter aus Äther,
nährten sich später
an Substrat,
an Phosphat;
sie standen im Reigen,
erhofften das Schweigen.

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Ein-Nacht-Schmarotzer

Ich kannte sie vom Netzwerk Tinder.
Das Ziel war eine heiße Nacht.
Wir haben uns zu Bett gebracht,
wohl nie ging Zweisamkeit geschwinder.

Die Arme schräg, die Beine quer,
es glich acht Wurzeln in der Luft.
Sie redete noch ohne Kluft.
Der Atem stieß im Gleichtakt schwer.

Sie blieb noch nach dem Balzgetanze,
und wollt die Körper nochmals reiben,
doch ich wollt lieber sie vertreiben.
– Gleichsam einer Aufsitzpflanze.

Frohlockend

Im Chor erstrahlt ein Weihnachtsengel,
voll Inbrunst singt sie gnadenreich,
sie lächelt brav und nett zugleich,
entzückt den ganzen Kirchensprengel.

Ein Fältchen links von ihrem Munde
verrät mir süß, was sie erdacht:
Schau – sie besucht nach Stille Nacht
ein Teufelchen zu später Stunde.

Im Fahrtwind

Ein Schneemann steht auf Bahnsteig drei.
Er wartet auf den Zug.
Er schaut zwar ziemlich sorgenfrei,
doch das scheint mir Betrug,
denn kommt die Bahn dann alle Stund‘
und Leute steigen ein,
dann hofft er sich die Seele wund,
er schaff‘ es diesmal rein.
Doch fällt der Weg zum Zug so schwer –
die Beine fehlen als Getriebe!
Die Bahn fährt. Er sieht hinterher
und trauert um verpasste Liebe.

Eisliebhaber im Mai

Ein Schneemann steht allein im Regen,
er starrt dort langsam vor sich hin.
Ein Mädchen trübt ihm seinen Sinn.
Mit ihr will er Beziehung pflegen.

Er würd‘ gern ihre Kühlheit spüren;
nicht nur so halb, nein richtig ganz.
Ihr eisig Antlitz lieh‘ ihm Glanz.
Er sehnt sich sehr, zu zweit zu frieren.

Auch hat er ein Geschenk bereit,
man kann es sich recht einfach denken,
drei Eiskristalle wird er schenken,
als Sinnbild für die Zweisamkeit.

Du fragst mich nun, wer ist die sie,
die glatt des Mannes Herz abräumt.
Du weißt sehr wohl, was er erträumt:
er träumt von Dir, kalte Sophie.

Der Sonnenanbeter

Ein Schneemann stand in proper Wonne
im Wintergrau, stand vor sich hin,
sinnierte nach des Lebens Sinn.
Dann blickte er ’nen Strahl der Sonne.

Welch hübsches Licht, dacht er erfrischt.
Sieh nur, der Glanz, der gold’ne Strahl –
so ungewohnt – nicht grau, nicht fahl.
Die Liebe hatte ihn erwischt.

Auch Wärme fühlte er am Laib,
doch tapfer hat der das ertragen.
Ich schmelze, dacht er ohne klagen,
was zählt ist, dass ich bei ihr bleib.

Sie zeigt mir so, sie liebt mich auch,
holt zu sich meine Moleküle.
Sie merkt wohl was ich denk und fühle.
Doch bald zerbrachen Kopf und Bauch.

Der Schmelzprozess wurd‘ noch verstärkt.
Nach einem Abschieds-Eisesglanz
zerfloss er letzten Endes ganz.
Sie hat von all dem nichts bemerkt.

Im Blumenladen

Die Rose
Verehrer gab es massenhaft
und mache haben’s nicht gerafft:
sie blieb stets schwach verbunden.

Die Orchidee
Er kam und nahm sie in den Arm,
versprach, er gäbe ihr schön warm.
Zu zweit sind sie verschwunden.

Die Tulpe
Als Teil von einem bunten Strauß
nahm sie von diesem Ort reis aus.
Sie wollt‘ die Welt umrunden.

Der Kaktus
Am Abend konnte man ihn sehen
als Einzahl aller Stechkakteen.
Den Tiefschlag hat er schlecht verwunden.