Kabelbinder

Zuerst ein Knall und dann viel Staub,
der Fels wird plötzlich lose.
Der Schutt kommt weg, aufs Förderband.
Ein riesiges Getose.

Gesichert wird, so gut es geht,
mit Spritzbeton und Eisen.
Genau platziert per Laserstrahl
sieht man dann Bohrer kreisen.

Rund 100 Löcher füllt man dann
mit roten Sprengstoffstangen.
Die Kabel führt man akkurat
und bündelt sie mit Spangen.

Er, der das macht, im Tunnel drin,
fühlt sich als Kabelbinder.
– Sprengungsmeister heißt sein Job.
Er drückt erneut den Zünder.


Bezug:
Endlich serienreif: Mein Geschichten-Generator

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Ein Brief

Du meine liebe Adelheid,
wie geht es in der Schweiz?
Ich hab grad Schreibgelegenheit,
doch weiß ich nichts gescheit’s.

Im Sommer waren wir in Kiel.
Das Haus hält mich auf trab.
Die Kinder nerven mich recht viel.
Mein Mann schwirrt öfters ab.

Denkst Du, dass es mal besser wird?
Ist’s in den Bergen schön?
Und Peter: stets noch Geissenhirt?
Gibt’s je ein Wiederseh’n?

Ansonsten, denke an mich süß,
Du meine Bergkomptess.
Von ganzem Herzen liebe Grüß
von Deiner Clara S.


Bezug
Endlich serienreif: Mein Geschichten-Generator

Der große Tag

Ab heute wird alles ganz anders:
Herr Erkan trägt Schmuck wie ein Gimpel.
Frau Rosie heißt neuerdings Sanders.
Die Brautjungfern winken mit Wimpel.

Die Tante Luise muss weinen.
Den Tom hört man Pauken verstauen.
Die Flore ist mit sich im Reinen,
sie mochte schon je lieber Frauen.

Den Sektempfang gibts auf zwei Booten.
Danach geht es auf zum Dinieren.
Beim Wein trinkt die Nina nur roten
und John möchte ihr imponieren.

Braut Rosie ist meistens am Strahlen.
Man feiert die glückliche Wende.
Dann: spielen und tanzen und malen.
Im Treppenhaus steht man am Ende.

Ab heute wird alles ganz anders.
Zwei Seelen und ein Himmelreich
für Erkan und für Rosie Sanders?
Zum Glück bleibt das Wichtigste gleich.


Bezug:
(16) Geschichtengenerator in Aktion – Blog vorübergehend im Ruhezustand

Schulbesuchstag

Wir warten vor der großen Tür,
der 8-Uhr-Gong ertönt.
Die Schüler drängen, wie ich spür,
doch Jubel wär verpönt.

Dicht neben mir die andern Gäste,
gespannt, was nun wohl geht.
Sie hoffen, ihr Kind sei das Beste.
Erst kommt das Alphabet.

Ein Kind streckt dauernd, wie aus Pflicht,
ein zweites hat ’ne Flause,
ein drittes weiß die Antwort nicht.
Und lang geht’s bis zur 9-Uhr-Pause.

Nun geht’s ums Rechnen rund um zehn,
’ne Mama grinst verzückt,
auch Arnulfs Vater möcht’s verstehn.
Ein Schulstuhl wird verrückt.

So, neun plus drei sind zehn plus zwei,
auch Zahlen sind verliebt.
Ganz vorn doziert nun jemand frei.
Mit Mathe wird gesiebt.

Ein Kind streckt dauernd, wie aus Pflicht,
ein zweites hat ’ne Flause,
ein drittes hört die Frage nicht.
Und lang geht’s bis zur 10-Uhr-Pause.

Nun geht’s zum Schulsport: Trimm Dich fit.
Dünn-Sven zeigt stolz die Brust,
die meisten laufen einfach mit,
doch Sue-Ann fehlt die Lust.

Fünf Gruppen jeweils andrer Zahl,
die stehen in sechs Reihen.
Ein Ball hüpft lustig durch den Saal,
ein Bub fängt an zu schreien.

Ein Kind streckt dauernd, wie aus Pflicht,
ein zweites zupft die Krause,
ein drittes mag so Turnen nicht.
Und lang geht’s bis zur 11-Uhr-Pause.

Zum Schluss gibts einen Bastelkurs.
Das Thema: freies Malen.
Ein krummes Brett verziert Schlau-Urs,
sein Vater leidet Qualen.

Ein Pfingstgeschenk soll das wohl sein,
was Buntes für daheim.
Verziert wird dieser Liebesschrein
mit Watte und mit Leim.

Ein Kind streckt dauernd, wie aus Pflicht,
ein zweites hat ’ne Flause,
ein drittes kennt die Farben nicht.
Und lang geht’s bis zur Mittagspause.


Bezug:
(15) Geschichtengenerator in Aktion

Kuss auf dem Schulhof

Die Aufsicht rückt im Eilschritt an,
der Blick auf Ernst gemimt.
Sie meint so deutlich, wie sie kann:
Erlaubt ist, was sich ziemt!

Zwei Teens, zwar halbstark, doch nicht dumm,
erwidern ganz von Welt:
Wir halten’s damit nicht so krumm.
Erlaubt ist, was gefällt!

Der Hauswart kommt nun, Mob bei Fuß,
posiert, dass man ihn hört,
beurteilt schließlich recht abstrus:
Erlaubt ist, was nicht stört!


Bezug:
(15) Geschichtengenerator in Aktion

Schneller Mittag

Ich warte in der Schlange,
Tablett, Besteck bei Hand.
Es geht heut furchtbar lange
am Knödel-Braten-Stand.

Ich wünscht, die andern Leute,
die wären auf Diät.
Ach, wenigstens nur heute!
Ich komme noch zu spät.

Dann schöpft auch noch die Lahme,
wünscht Mahlzeit wohl aus Pflicht.
Sie mimt die nette Dame,
doch viel mehr macht die nicht.

Beim Grünzeug wär man schneller,
da steht nur die mit Hut.
Leut, füllt doch dort die Teller!
Ich muss ins Institut.


Bezug:
(14) Geschichtengenerator in Aktion