Mittelmäßiges Alter

Die Pickel wichen längstens Falten, 
dafür vom Make-up stets zuviel,
beim Lachen kann sie sich kaum halten,
die Locken rot dank Medizin,
ein Blick verkommt zum Launenspiel.
Sie ist wohl immer noch ein Teen.

Ihr Herz ist treu und spielt mit Herzen,
doch trotzdem hofft so mancher Mann;
sie lächelt, tobt, sie schwatzt, will scherzen,
dass Freund und Feind sich gern verzieh´n;
sie probt den Charme, wo sie nur kann.
Sie flirtet immer wie ein Teen.

Die letzte Nacht war stets die beste,
das Morgen Selbstverständlichkeit,
nur selbst trag sie die weiße Weste,
denn andern fehle Disziplin;
sie meint, sie sähe furchtbar weit.
Sie nervt genau so wie ein Teen.
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Blumenladengeschwätz

Fünf Epiphyten
wie aus fünf Mythen
standen im Laden,
sahen fünf Waden.
Schauten.
Saugten
Wörter aus Äther,
nährten sich später
an Substrat,
an Phosphat;
sie standen im Reigen,
erhofften das Schweigen.

Willkommen in der Anstalt

Schon bei der großen Türe
begrüßt ein Herr Doktor
ganz ohne Starallüre
glänzt neben ihm ein Anwalt
hier steht mir was bevor

Willkommen in der Anstalt!

Im Wartezimmer weilend
da simst ein Präsident
er wirkt verirrt und eilend
ihm fehlt es wohl an Anhalt
und Regeln die er kennt

Willkommen in der Anstalt!

Dann in der Gummizelle
ein Rockstern singt versaut
signiert fast jede Stelle
bevor man sie schnell anschnallt
süß schimmernd schreit sie laut

Willkommen in der Anstalt!

Nun bei den bösen Fällen
biegt jemand sich zum Beil
ein Boxer wagt zu bellen
hebt Beinchen wie im Bannwald
ein Maler ruft stets Heil

Willkommen in der Anstalt!

Im Haustrakt Nr. 3
vernichtet mich ein Richter
er fragt, wer ich denn sei
bevor er sich pink anmalt
ich halt mich selbst als Dichter

Willkommen in der Anstalt!

Nieselnder Regen

Ich sterbe beständig ganz sanft vor mich hin,
tagein und tagaus bloß ein ganz kleines Stück.
Das ganz große Glück stand bei mir zu Beginn,
es fühlte sich an wie ein nieselnder Regen.
Mit feucht fahlem Flaum denke ich hier zurück.

Ich sterbe beständig ganz sanft vor mich her,
des morgens, wenn irgendein Zeitgerät dröhnt.
Die Liebe lag lang wie ein trunkenes Meer,
es fühlte sich an wie ein nieselnder Regen.
Doch Wasser verdunstet, es bleibt nichts geschönt.

Ich sterbe beständig ganz sanft vor mich hin,
des mittags, da wir einen Pausenkreis drehn.
Dein Plappern erfüllte mir meist meinen Sinn,
es fühlte sich an wie ein nieselnder Regen:
Behutsam betröpfelt, doch keiner bleibt stehn.

Ich sterbe beständig ganz sanft vor mich her,
des abends, wenn Tagwerk ward nutzlos vertan.
Das zweisame Essen, erquickend und schwer,
es fühlte sich an wie ein nieselnder Regen,
der digestif-panschend verzögert den Wahn.

Ich sterbe beständig ganz sanft nur für mich,
wohin ich auch geh, auf verschlungenen Wegen,
da merk ich, wie viel schon vom Dasein verstrich.
Es fühlte sich an wie ein nieselnder Regen:
Benetzend und ätzend. Nur nicht überlegen.

Lux aeterna

Wie finster die Nacht
Wie strömend der Regen
Wie fehlt jede Pracht
kein Morgen könnt´s geben

Dein Reden sagt: «Schau
Dein Zustand: ein Fimmel!»
Dein Lachen schreit: «Blau
scheint morgen der Himmel!»

Klar, Dunkel folgt Hell
Klar, wachen tönt richtig
Klar, kommt der Appell
doch schlafen ist wichtig

Ey, Alter

Von Schönheit kann man nicht mehr sprechen
Die Pickel wichen Falten (längst)
Auch sonst hab ich so manch Gebrechen
Doch blieb mir noch mein Liebesspleen
Hormone machen mich zum Hengst
Ich bin halt immer noch ein Teen

Zieh ich des Samstags durch die Gassen
So trink ich zuviel Wein und Bier
Versuch mein Herz als Vers zu fassen
Dem Liebesschmerz bin ich affin
Beim heimwärts ziehen fehlst Du mir
Schau, ich benehm‘ mich wie ein Teen

Und steh’n wir beide Aug in Auge
Wird jedes Wort zum Herzensgruß
Mein Zweifel nagt, ob ich was tauge
Ich zieh nervös am Nikotin
Es kribbelt mich von Kopf bis Fuß
Du machst mich hilflos wie ein Teen